MARC RENAUD   f o t o g r a f
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Fundraising (2006-2008)

Alles begann vor ein paar Jahren während meines Aufenthaltes in New York. Die Bedeutung privater Geldgeber ist dort überall zu sehen. In der amerikanischen Kultur ist das Fundraising allgegenwärtig. Die Programme öffentlicher Radiostationen werden nicht durch Werbung, sondern durch Spendenaufrufe unterbrochen. Museen haben in ihren Eingangshallen monumentale Mauern, auf denen die Namen der Geldgeber stehen. Mäzene werden als Helden des modernen Amerikas gefeiert. Hingegen zieht sich dort die öffentliche Hand zunehmend aus Projekten, die der Allgemeinheit zu Gute kommen, zurück.

Zurück in der Schweiz, stellte ich mir die Frage, wie der Spendenmarkt hier organisiert ist. Spontan fielen mir ein: Ein Bazar, eine Wohltätigkeitsgala, ein Strassenstand von Amnesty International und eine Kollekte am Ende eines Gottesdienstesäre es, Portraits der verschiedenen Akteure des Fundraisings zu machen und nebeneinander zu legen? Mir schwebte eine Art Familienfoto vor, das Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Verwandten er;uml;n lässt.

Die Motivationen, Vertreter einer guten Sache zu sein und Zeit und sogar Geld dafür aufzuwenden, sind verschieden. Die Freiwilligen, die ich traf, gaben zwei Hauünde an:"Etwas Gutes tun" und das Gefühl, einer Gruppe anzugehören, die sozial geachtet ist. Der Freiwillige ist oft das Öl im Getriebe des Fundraisings, sei es als Aktiver für einen Bazar, in der Telefonzentrale deückskette oder als professionelles Model bei einer Wohltätigkeitsgala des Roten Kreuzes.

Das Marketing: die Rettung des guten Zwecks?

Aber das Marketing hat es geschafft sich in den letzten Jahren in die Spendenkultur einzufügeür viele Non-Profit-Organisationen (NPOs) ist es unentbehrlich geworden. Man kann es auch anders herum sagen: Das positive Image der Freiwilligen und deren Militantismus wurden in die Strategien des Marketings integriert. Die jungen Leute auf der Strasse mit ihrer gelben Greenpeace-Weste zum Beispiel sind nicht mehr Militante dieser Organisation Sie sind von einem darauf spezialisierten Unternehmen angestellt, um neue Mitglieder zu werben. Ihr Aussehen wurde sorgfältig auf ihre jeweilige Aufgabe abgestimmt.

Meine Portraitgalerie wurde jeden Monat grösser, es kamen neue Akteure des Fundraisings hinzu. Aber ich hatte das Gefühl, dass eine Konsistenz, eine Art informativer Hintergrund, fehlte. Es gibt zahlreiche Presseartikel uücher, in denen es um die Aufteilung des Spendenmarktes, die Psychologie privater Geldgeber oder┬átestamentarische Legate geht. Ich wollte überlegungen in mein Projekt einfliessen lassen. Deshalb habe ich im zweiten Teil dieses Kataloges sieben professionelle Fundraiser ührungspositionen abgebildet. Ich wollt&üuml;as über die neusten Entwicklungen, die Professionalisierung und die Strategien in Erfahrung bringen. Diese Begegnungen halfen mir, die fehlenden Informationen zu sammeln und ein schlü;ssiges fotografisches Konzept zu entwickeln.

Treue: bis zum Tod?

Alle karitativen oder kulturellen Organisation wollen ihre privaten Geldgeber an sich binden, Damit wollen sie ein "Spendenzapping" vermeiden. Darum schmeicheln sie den Spender, in dem sie ihm einen privilegierten Status geben. Zum Beispiel wird er ü;ber bestimmte Aktivitäten gesondert informiert. Oder er wird an einem Informationsabend mit Cocktails verwöhnt wo er vielleicht einigen Prominenten die Hand schü;tteln darf. Eine andere Methode, Geldgeber zu Treue zu bewegen, ist die Ermutigung zu Daueraufträgen. Spenden soll so zur Gewohnheit werden. Dies hört im Alter nicht auf, im Gegenteil. Die meisten der NPOs haben Angestellte, die sich spezifisch um testamentarische Legate, also um Erbschaften, kü;mmern.
Dieser Markt, bis vor einigen Jahren noch Tabu, ist nicht neu. Hinterlassenschaften an Kirchen existieren seit Langem. Aber Untersuchungen des Schweizer Spendenmarktes zeigen, dass Legate ein grosses Potential haben.

Einige der Strategien, die mir während dieser Arbeit begegnet sind, haben sich direkt im Inhalt dieses Katalogs widergespiämlich in der Art und Weise, wie er finanziert wurde. Die Publikation war eine praktische ü;bung, Theorien, die ich auch zum Teil auch fotografiert habe, selber anzuwenden. Geü;r diesen Katalog aufzutreiben, war eine gute Art, dieses Projekt abzuschliessen.

 
Bauarbeiter, Luzernering, Basel (aus der Serie Pause)
 
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